Schreiben heißt: Im Dialog mit sich selbst stehen

Durchdringen zu uns selbst

Wer mich schon länger kennt, der weiß, dass ich den Dialog, insbesondere den Sokratischen Dialog, für unser höchstes Gut erachte. Das heißt: Ich vertrete die Ansicht, dass es für uns Menschen nichts Wertvolleres, nichts Hilfreicheres, nichts Heilsameres gibt als den klug und weise geführten Dialog, das klug und weise geführte Gespräch.

Auf gekünstelte Geschichten, die diese Ansicht widerlegen sollen, etwa wie: „Wenn ein Mensch in der Wüste am verdursten sei, dann sei doch sicherlich nicht ein kluger und weiser Dialog sondern Wasser zum Trinken das höchste Gut“, möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Denn die meisten, die diese Zeilen lesen werden, leiden wahrscheinlich nicht unter dem physisch Allernotwendigsten und für sie, für uns, stellt sich viel eher die Frage: „Nachdem unsere physische Not nun gestillt ist – Was fangen wir mit unserem Leben an?“ Und hier kommt nun eben der Dialog, das klug und weise geführte Gespräch ins Spiel.

(Aus Ehrfurcht vor dem Dialog, vor allem aus Liebe zum klug und weise geführten Gespräch, nannte ich meine erste philosophische Beratungspraxis auch DIALOGPRAXIS. Mittlerweile hat sich dieses Angebot zu SOKRATESBERLIN (Vgl.: Der Sokratische Dialog) und zur SINNTHERAPIE entwickelt. )

Der Dialog ist eine Gnade des Schreibens –
oder ist das Schreiben eine Gnade des Dialogs?

Es ist schon eine Gnade, ein Geschenk des Himmels, wenn wir einen fremden Menschen finden, mit dem wir einen Dialog, ein gutes Gespräch führen können. Um wie viel gnadenreicher, um wie viel erhellender könnte es sein, wenn wir uns manchmal selbst in einem solchen Gespräch begegnen könnten? Bedenke: Wir könnten uns alles fragen, was uns interessiert, was uns beschäftigt und was uns auf der Seele liegt! Und wir würden auch noch eine wahrheitsgemäße Antwort auf unsere Fragen erhalten!

Zu viel gefordert? Zu viel gewünscht? – Ich meine: Nein! Denn das Schreiben eröffnet uns genau diese Möglichkeit: Ein Gespräch mit uns selbst führen zu können!

Durchdringen zu uns selbst

Im Schreiben können wir durchdringen zu uns selbst. Im Schreiben können wir durchdringen zum Dialog mit uns selbst. Wir müssen uns selbst gegenüber nur ehrlich sein, bedingungslos ehrlich und aufrichtig. Der „Rest“ geschieht dann ganz von alleine. Sobald wir uns im Schreiben ehrlich ansprechen, werden wir uns im Schreiben und im Lesen unserer selbst auch ehrlich antworten.

Welch größeres Geschenk könnte es für uns geben?


Schreiben und Selbsterkenntnis: Schreiben heißt: Im Dialog mit sich selbst stehen!
Schreiben und Selbsterkenntnis: Schreiben heißt: Im Dialog mit sich selbst stehen!